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life + science : questions + answers

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Unser aktuelles Thema: Wunderbares Wasser

Unser Experte: Dr.-Ing. Gerhard Schories

Schories studierte von 1985 bis 1992 „Allgemeine Verfahrenstechnik“ an der
TU Clausthal und promovierte dort 1999  mit dem Thema „Aufbereitung und stoffliche Verwertung organisch hochbelasteter industrieller Reststoffe und Abwasserteilströme“ zum Doktor-Ingenieur.
Von 1992 bis 1994 arbeitete Dr. Schories bei der der Bühler Umwelt Consulting GmbH in Hannover als Projektingenieur für biologische Abfallbehandlung. Danach war er fünf Jahre lang als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Clausthal am Institut für Thermische Verfahrenstechnik tätig. Hier beschäftigte er sich mit den Forschungsschwerpunkten biologische Abfallbehandlung, biologische Abwasserbehandlung und Membrantechnologien.
Als Projektingenieur für Wasseraufbereitung und Anlagenplanung arbeitete Dr. Schories dann von 1999 bis 2001 bei Tecon Chemicals GmbH in Clausthal- Zellerfeld. Anschließend wurde er Abteilungsleiter im Vertrieb „Abfall- und Abwasserbehandlungsanlagen für
Passagierschiffe“ bei  Deerberg Systems GmbH in Oldenburg.
Seit 2001 ist Dr. Schories beim ttz Bremerhaven tätig und leitet dort seit rund drei Jahren das Umweltinstitut. Seine Schwerpunkte sind u. a. Erneuerbare Energien, Energieeffizienz
Brennstoffzellenanwendungen, energetische Optimierung technischer Systeme, Wasseraufbereitung, Nachhaltiges Landschafts- und Ressourcenmanagement und Umweltanalytik. Dr. Schories veröffentlichte bereits mehr als 40 nationale und internationale Beiträge in Fachzeitschriften und gab sein Wissen in wissenschaftlichen Tagungen und Workshops weiter.



Ihr habt eine Frage an unseren Experten? Dann stellt sie hier!

 
 Frage, Pilar (17 Jahre): Wenn Deutschland so viel Wasser übrig hat, was macht es dann damit? Wie steht Deutschland mit anderen Ländern mit dem Thema in Verbindung? Spenden sie Wasser für die ärmeren?
 

 Antwort:  1. Wasserversorgung in Deutschland: Eine gute Informationsquelle ist das Statistische Bundesamt (www.destatis.de, von dort sind auch die nachfolgenden Zahlen entnommen bzw. abgeleitet). Der überwiegende Teil unseres Trinkwassers (öffentliche Wasserversorgung ca. 5372 Millionen m³ pro Jahr), ca. 74 %, aus Grund- und Quellwasser. Darüber hinaus wird Oberflächenwasser (Fluss- und Seewasser) sowie Uferfiltrat eingesetzt. Die Öffentliche Wasserversorgung macht aber nur rund 15 % unseres Wasserbedarfs aus. Der überwiegende Teil wird von der Industrie (ca. 22 %) sowie von Kraftwerken (ca 63 %) benötigt.

2. Es ist richtig, Deutschland steht international ganz gut dar. Wir haben ausreichend Wasser, auch wenn es regional (z.B. in einigen Gegenden in Brandenburg) auch bei uns Wasserknappheit geben kann. Dies betrifft dann aber insbesondere die dortige Landwirtschaft, nicht aber die öffentliche Wasserversorgung.

3. Deutschland hat sicher mehr Wasser als es momentan benötigt, ein Export in solche Länder, die unter extremer Wasserknappheit leiden, ist aber eher unrealistisch. Andere Länder bedienen sich anderer Wasserressourcen als wir. So nutzen einige Mittelmeerländer (z.B. Spanien, Malta, einige Länder Nordafrikas) sowie insbesondere Länder am Persischen Golf (z.B. Saudi Arabien) das Meer als "Quelle" für Trinkwasser. Aus dem Meerwasser muss natürlich das Salz entfernt werden. Dies erfolgt mittels Desitllation oder Membranen, der sog. Umkehrosmose (das sind besondere "Filter", die in der Lage sind, die im Wasser gelösten Salze abzutrennen und so salzfreies Wasser zu erzeugen). Nachteilig ist, dass sowohl für die Destillation also auch für die Umkehrosmose sehr viel Energie benötigt wird und ein Salzkonzentrat als "Abfall" entsteht, des verwertet werden muss und nicht unbedingt in das Meer zurückgeleitet werden sollte (ist aber gängige Praxis). Diese Technologien sind zudem sehr teuer, man braucht andere Lösungen. Wie können die aussehen?

Man muss beachten, dass nur ein kleiner Teil des benötigten Wassers tatsächlich zum Trinken und für die Zubereitung von Nahrungsmitteln benötigt wird. In Deutschland sind dies etwa 3-5 Liter pro Person und Tag. Pro Kopf verbrauchen wir aber etwa 130 Liter am Tag. Der überwiegende Anteil bei uns wird für Körperpflege, die Toilettenspülung, Wäschewaschen etc. verbraucht. Nur das Wasser zum Kochen und Trinken muss wirklich 100 % sauber und einwandfrei sein (es darf z.B. keine Krankheitserreger enthalten - in vielen Entwicklungsländern sind bis zu 80 % der Krankheiten der Menschen aber auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen). Wasser ist zudem essentiell wichtig für die Landwirtschaft und damit für die Nahrungsmittelproduktion. Die Wasserversorgung der Landwirtschaft ist mindestens genauso wichtig wie die Trinkwasserversorgung.

Hier an dieser Stelle arbeiten z.B. wir im ttz-Bremerhaven als Forschungsinstitut (www.ttz-bremerhaven.de). Gemeinsam mit anderen Partnern aus Europa und aus Ländern mit extremer Wasserknappheit (z.B. Nordafrika, Naher Osten) oder aber mit stark verunreinigtem Wasser (Entwicklungsländer wie z.B. Bangladesh) arbeiten wir an der Entwicklung von Technologien, mit denen man Abwasser vor Ort so aufbereiten kann, dass es hygienisch unbedenklich ist und zum Beispiel in der Landwirtschaft oder in technischen Prozessen wieder eingesetzt werden kann (mehr Infos auf www.puratreat.com, www.inawab.info, www.iwapil.com, www.promembrane.info , leider nur englischsprachige Informationen). Wir denken, es ist besser, gemeinsam die richtige Technologie zu entwickeln um die Wasserprobleme vor Ort zu lösen, als Wasser zu exportieren.

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