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Schreibwettbewerb
Freiheit - eine Selbstverständlichkeit!? Welchen Wert hat Freiheit für Euch? Wann seid Ihr frei? Kann man von allem frei sein? Will man von allem oder jedem frei sein?
life + science hat zum Schreibwettbewerb aufgerufen und viele tolle Einsendungen bekommen. Der schönste „Freiheits-Aufsatz“ kam von Anna Lu. Damit hat sie eine Autobiographie des Dalai Lama - „Das Buch der Freiheit“ - gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Und allen anderen: Viel Spaß beim Lesen:
Anna Lu ist 18 Jahre alt und besucht die 13. Stufe der Graf-Engelbert-Schule in Bochum:
"Liebe Susa,
seit zwei Wochen bin ich in Indien. Ganz allein, nur mit einem Rucksack. Ich habe lediglich das Notdürftigste bei mir: Unterwäsche, Wasser, ein wenig Geld, einige Papiere, eine Zahnbürste.
Es ist schade, dass du nicht mitkommen konntest. Aber Susa, deine Eltern dürfen dir nicht alles vorschreiben, du bist volljährig. Wieso bist du so brav, wieso sitzt du zuhause, wieso wählst du bei der nächsten Bundestagswahl wie deine Eltern? Bist du frei? Du bist nicht frei.
Gestern habe ich mir Brot erbettelt, richtiges warmes Naan-Brot, da hatte ich Glück. Mein Geld ist fast aufgebraucht, ich habe schlecht kalkuliert. Ich bin die ganze Zeit hungrig. Gestern habe ich bei einem Hilfswerk übernachtet. Meine Route kann ich nicht beliebig wählen, meine Vorräte reichen nicht für einen Trip ins schwach besiedelte Umland. Bin ich frei? Ich bin nicht frei.
Ich habe Slums gesehen, gefährliche Gegenden, besonders für Touristen. Ich habe Kinder gesehen, die in Dreckwasser nach Abfall gefischt haben. Ich habe zahnlose Alte gesehen, die eingetrocknetes Gebäck verkaufen und von herablassenden jungen Männern getreten wurden. Die Kinder, die Alten, auch die jungen Männer, sind sie frei? Sie sind nicht frei.
Freiheit, das ist Gleichheit in Rechten und Mitteln. Du hast keine Rechte, ich habe keine Mittel, und die armen Menschen in Neu-Delhi haben weder Rechte noch Mittel.
Das Leben hier ist hart, die Kindersterblichkeit ist hoch, aber weißt du, viele Menschen sind fröhlich, und sie sind gut, dabei haben sie nichts.
Susa, ich weiß nicht, wann ich zurückkomme. Das Hilfswerk hat mir einen Platz angeboten, ich helfe in der Küche, verbinde Kranke, erledige Papierkram. Und ich bin so frei, hier zu bleiben. Freiheit kann hier sein. Und Freiheit: Das kann überall sein, wo du gerade bist.
Mit lieben Grüßen aus Neu-Delhi, Anna"
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