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BA, FH, Uni – das duale Studium ist überall beliebt

Ob im Klassenzimmer, bei Infoveranstaltungen oder in Schülermagazinen – das duale Studium ist in aller Munde! Kein Wunder: Wer bereits nach drei Jahren sein Studium in der Tasche hat und zugleich in der Praxis fit ist, der ist im Vorteil. So viel ist klar. Doch seit wann gibt es eigentlich das duale Studium? Berufsakademie, Fachhochschule oder Uni – wer sind die Anbieter und Kooperationspartner? life + science hat sich für euch schlau gemacht!

Die Erfolgsgeschichte des dualen Studiums nahm in den siebziger Jahren ihren Lauf: Gemeinsam mit der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Stuttgart und der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar entwickelten die Unternehmen Daimler Benz, Robert Bosch und SEL das so genannte Stuttgarter Modell. Ziel war es, über das duale System Ausbildungsangebote attraktiver zu machen und den Abiturienten eine Alternative zum klassischen Hochschulstudium zu bieten. Die ersten Berufsakademien (BA), die insgesamt 164 Studierenden ihre Türen öffneten, waren die BA Mannheim und die BA Stuttgart. In Kooperation mit 51 Ausbildungsstätten wurden hier die Ausbildungsbereiche Wirtschaft und Technik angeboten.
Nach einer erfolgreichen Versuchsphase, in der noch weitere Berufsakademien hinzukamen, wurde 1982 das „Gesetz über die Berufsakademie im Land Baden-Württemberg“ verabschiedet. Neben das Studium an einer Hochschule trat somit das Ausbildungs- und Studienmodell der Berufsakademie – viele Bundesländer folgten diesem Vorbild.
Zu Beginn der 90er Jahre stellte die Kultusminister-Konferenz fest, dass die Abschlüsse der Berufsakademien nach dem baden-württembergischen Modell unter die Hochschuldiplomrichtlinie der Europäischen Union fallen. Von da ab war der Abschluss „Diplom (BA)“ – heute bei akkreditierten Studiengängen der Bachelor-Titel – nicht nur überregional, sondern auch international anerkannt und den Abschlüssen der Hochschulen rechtlich gleichgestellt.

Vorreiter BA Baden-Württemberg
„Mittlerweile werden in allen Bundesländern insgesamt rund 680 duale Studiengänge angeboten – jeweils etwa 300 davon an Berufsakademien und Fachhochschulen, einige wenige auch an Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien sowie Universitäten“ informiert Verena Waldhausen vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Das duales Studium ist beliebt: Derzeit nehmen etwa 45.000 junge Leute die Chance wahr und machen sich im Wechsel mit Theorie und Praxis vertraut. Der Großteil der Studierenden hat einen Ausbildungsbildungsvertrag bei einem der rund 18.000 Unternehmen, die mit Berufsakademien kooperieren. Vorreiter der „BA“ ist und bleibt das Land Baden-Württemberg: An acht Standorten werden insgesamt 170 verschiedene duale Studiengänge aus den Bereichen Technik, Wirtschaft und Sozialwesen angeboten. Die Anzahl der BA-Studierenden, die alle drei Monate zwischen Theorie und Praxis wechseln, beträgt rund 20.000. Aufgrund des großen Erfolgs will die Landesregierung die BA Baden-Württemberg zur „Dualen Hochschule“ weiterentwickeln. „Damit nehmen wir den BA-Gegnern, die uns vorwerfen, wir seien nicht so akademisch ausgerichtet wie andere Hochschulen, den Wind aus den Segeln. Außerdem werden wir dann unser Angebot um Masterstudiengänge erweitern können“, sagt Tamara Kaiser von der Geschäftsstelle der Direktorenkonferenz der Berufsakademien in Baden-Württemberg. „Die Besonderheit, Theorie und Praxis bei der Ausbildung der Studierenden zu verbinden, bleibt nach dem Wandel zur dualen Hochschule natürlich bestehen.“ (www.ba-bw.de)

Dass das duale Studium etwas Besonderes ist, findet auch Vera Kopper. Sie studiert im vierten Semester Wirtschaftsingenieurwesen an der BA Stuttgart. Die Praxisphasen absolviert Vera bei der ZF Lenksysteme GmbH in Schwäbisch-Gmünd. „Im Unternehmen kriege ich Einblicke in verschiedene Bereiche – vom Einkauf über Controlling bis hin zum Vertrieb. In jeder Abteilung hat man einen Ansprechpartner, und die Arbeit macht viel Spaß – man wird sehr ernst genommen.“ Für das duale Studium hat Vera sich entschieden, da ihr ein Studium allein zu theoretisch ist. „Wenn man Praxis und Theorie zugleich erlernt, versteht man die Abläufe viel besser“, meint die 21-Jährige. „Außerdem bin ich finanziell unabhängig, da ich eine Ausbildungsvergütung vom Unternehmen erhalte.“
(www.ba-stuttgart.de)

Fachhochschulen und Unis: klassisch und dual studieren!
Während Berufsakademien ausschließlich auf das duale System ausgerichtet sind, bieten auch zunehmend Fachhochschulen und Universitäten derartige Studiengänge an. Besonders aktiv sind die (Fach-)Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. An knapp 50 Standorten werden über 100 verschiedene Studiengänge angeboten. Auch hier sind die klassischen Kombinationen beliebt: Häufig wird ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit einer kaufmännischen Lehre verbunden. Zudem starten viele ein Ingenieur- oder Informatikstudium mit einer technischen Ausbildung. Daneben gibt es auch Studien- und Ausbildungsangebote in den Bereichen Sozialwesen, Medien und Kommunikation, Architektur und Mathematik. An der FH Aachen zum Beispiel kann man sich seit dem letzten Jahr für den Bachelorstudiengang „Scientific Programming“ einschreiben und zugleich bei einem der etwa 20 Unternehmenspartner sowie der RWTH  eine Ausbildung zum mathematisch-technischen Softwareentwickler abschließen. „Ob bei Wirtschaftsunternehmen, in Forschungseinrichtungen, Rechenzentren oder an Hochschulen – den Absolventen stehen viele Berufschancen offen“, lobt Ausbildungsleiter Benedikt Magrean von der RWTH Aachen die neue Studienrichtung. (www.matse-ausbildung.de und www.scientific-programming.de)



Vielfältige Angebote
Ausgefallen oder klassisch, an Berufsakademie, Fachhochschule oder Uni – überall gibt es interessante Angebote: An der privaten Hochschule für Telekommunikation in Leipzig z.B. wird der Duale Studiengang Telekommunikationsinformatik mit dem Abschluss Bachelor of Engineering angeboten. Die wissenschaftlichen Studieninhalte werden in spannenden Projekten bei der Deutschen Telekom angewendet. (www.hft-leipzig.de)
Wer Veränderungsprozesse in Unternehmen mitgestalten möchte, um diese zum Erfolg zu führen, der ist an der BA Mosbach, Außenstelle Bad Mergentheim, genau richtig. Beim Bachelor-Studiengang International Business gibt es die Möglichkeit, den Schwerpunkt auf den Bereich Change Management zu legen. Die Praxisphasen werden zwischen den Studiensemestern u.a. bei Aldi Süd absolviert. (www.ba-mergentheim.de; http://karriere.aldi-sued.de/)
Zu den größten Anbietern in Baden-Württemberg gehört die Daimler AG in Stuttgart. Der Automobilhersteller bietet verschiedene Studiengänge im betriebswirtschaftlichen Bereich an, darunter International Business, Wirtschaftsinformatik und Bank. Für Technikinteressierte sind die BA-Studiengänge Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik, Informationstechnik und Wirtschaftsingenieurwesen eine gute Wahl. (www.career.daimler.com)
Wer es technisch, aber ganz speziell haben will, kann sich an der FH Kaiserslautern für den berufsintegrierten Studiengang Schuhtechnik einschreiben. Hierbei wird das Ingenieurstudium Schuhtechnik mit der Berufsausbildung zum Schuhfertiger verbunden und die Praxis bei namhaften Partnern wie Adidas, Gabor oder Ara erlernt.

Die Liste der Dualen Studienangebote ist lang. Umfangreiche Informationen bietet das Internetportal www.ausbildung-plus.de – dort könnt ihr gezielt nach Studiengängen, Fachrichtungen, Regionen sowie spezifischen Hochschulen oder Akademien suchen.






Heftnummer: 2008/02
Autor: Fohrmann, Sabine

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