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Kredite für die Karriere?

Studieren wird teurer/ Neue Finanzierungsangebote der Banken

Kostenlos studieren – das war einmal. In mehreren Bundesländern ist die Einführung von Studien gebühren beschlossene Sache.

In Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen müssen Studienanfänger für das Erststudium ab Wintersemester 2006/07 allgemeine Studiengebühren von 500 Euro pro Semester bezahlen. Baden-Württemberg zieht ab dem Sommersemester 2007 nach. Andere Bundesländer wie Bayern und Hessen planen die Einführung von Studiengebühren, teilweise werden schon Langzeitstudenten zur Kasse gebeten.

Doch auch ohne Studiengebühren kostet ein Studium viel Geld: Im Schnitt kommen 40.000 Euro zusammen, hat das Bundesbildungsministerium errechnet. Der größte Posten geht Monat für Monat für die Miete drauf. Nach Angaben des Studentenwerks geben die Studierenden mit rund 250 Euro inklusive Nebenkosten ein Drittel dessen aus, was ihnen im Monat zur Verfügung steht. Ohne Hilfe der Eltern, die im Schnitt 435 Euro monatlich beisteuern, könnten die meisten gar nicht studieren. Reicht das Geld von den Eltern, das Bafög oder Stipendium nicht aus, sind Studenten bisher aufs Jobben angewiesen.

„Es ist doch ein Dilemma: Arbeite ich viel neben dem Studium, brauche ich mehr Zeit, um mein Studium vernünftig zu Ende zu bringen, muss also mehr Finanzierungshilfen annehmen“, bringt Sonia Haddad das Problem auf den Punkt. Die 24-Jährige studiert in Göttingen Medien- und Kommunikationswissenschaften im neunten Semester. Einen Anspruch auf Bafög gibt es nach dem achten Semester nicht mehr. „Für meine zukünftige Finanzierung kann ich entweder ein BAföG-Darlehen aufnehmen, das aber im Gegensatz zum ‚normalen‘ BAföG verzinst werden muss. Die zweite Möglichkeit ist ein Bildungskredit“, weiß Sonia. Das Bundesverwaltungsamt bietet einen zweijährigen Bildungskredit von monatlich 300 Euro mit einem variablen Zins von derzeit 3,27 Prozent an; die Rückzahlung beginnt vier Jahre nach der ersten Ratenzahlung. Großer Vorteil: Bis zu sechs Monatsraten können im Voraus ausgezahlt werden, wenn man sich in einer finanziellen Notlage befindet.

Jetzt kommt die Studienfinanzierung auch von der Bank: Ganz neu ist seit 1.April das Darlehen der staatlichen KfW. Die Bank bietet Studis zwischen 100 und 650 Euro im Monat an; im Regelfall bis zu zehn Semester lang. Nur ausnahmsweise gibt es noch bis zum 14. Semester Geld. Jedes halbe Jahr wird der Zinssatz neu berechnet, der Student bestimmt seinen Auszahlungsbetrag neu. Liegen aber nach fünf Semestern keine Leistungsnachweise vor, gibt´s auch kein Geld mehr. Die erste Rückzahlungsrate wird mit dem Start ins Berufsleben fällig, spätestens nach 25 Jahren muss der ganze Kredit zurückgezahlt sein. Mit dem aus dem Internet ausgedruckten Antragsformular und der Studienbescheinigung geht es zur Hausbank. Ob die überhaupt mit der KfW kooperiert, kann auf deren Internetseiten nachgelesen werden. Denn einige große Banken haben inzwischen eigene Angebote entwickelt, die teilweise parallel zum KfW-Darlehen angeboten werden sollen. Es ist allerdings knifflig, hier das passende Angebot zu finden.

Die Studienkredite unterscheiden sich nicht nur in der Höhe des Effektivzinses, Höhe und Dauer der monatlichen Auszahlung oder wann der Kredit zurückgezahlt werden muss. So gibt es beispielsweise nur für Studenten aus der Region oder einer bestimmten Fachrichtung Kredite. Einige Sparkassen bieten bereits seit dem letzten Wintersemester Bildungskredite an. „Mit der Nachfrage in unseren Uni-nahen Filialen sind wir zufrieden“, sagt Christoph Doebbelin von der Hamburger Sparkasse (Haspa). Nachdem die Dresdner Bank ihr flexibles Kreditkonzept in einigen Filialen getestet hat, soll bald ein entsprechendes Produkt bundesweit angeboten werden. Bei der Deutschen Bank können sich Studenten seit dem vergangenen Wintersemester monatlich bis zu 800 Euro auszahlen lassen. Während der anschließenden Berufsfindungsphase sind vorerst keine Rückzahlungen erforderlich.

Verbraucherschützer raten allerdings, nicht unüberlegt Kredite in Anspruch zu nehmen. Denn ob am Ende des Studiums ein toller Job mit einem guten Einkommen steht, ist ja ungewiss. „Mir macht es Sorgen, mit einem riesigen Schuldenberg ins Berufsleben zu starten. Schon allein die BAföG-Schulden sind sehr hoch“, erzählt Karola Rulhof (25), die nach dem Lehramtsstudium Grundschule in Lüneburg jetzt einen Referendariatsplatz bekommen hat. Auch die Studentenwerke warnen, sich allein durch Pump zu finanzieren. In bestimmten Studienphasen oder für Finanzierungsspitzen zum Sichern des Lebensunterhalts können sie sinnvoll sein. 

Einen Überblick über die Angebote zur Studienfinanzierung gibt es im Internet bei der Stiftung Warentest unter
www.stiftung-warentest.de und bei
www.studis-online.de

Die KfW informiert über ihren Studienkredit unter
www.kfw-foerderbank.de

Alle Informationen zum BAföG gibt es im Internet unter
www.bmf.de sowie unter
www.das-neue-bafoeg.de

Informationen zum Bildungskredit stehen unter
www.bva-bund.de zur Verfügung

 

 

Heftnummer: 2006/02
Autor: Gaul, Thomas / Fohrmann, Sabine

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