life + style
Mit dem Flachen sieht man besser
So kommt das Kino ins eigene Zimmer
In die Röhre schauen, war früher – die Zukunft ist flach! Moderne Fernseher sind kaum dicker als ein gerahmtes Bild und bieten fast echte Kinostimmung. Aber noch kämpfen die Hightech-Systeme mit Problemen.
Die WM soll den endgültigen Durchbruch bringen, und schon haben erste Hersteller die guten alten Röhrenflimmerkisten aus ihrem Programm gestrichen. Also höchste Zeit für einen schicken Flachbild-Fernseher? Oder besser einen Beamer? Was ist mit HDTV und Kopierschutz? Und wo ist der Unterschied zwischen DVB-C, -T, -S und -H? Fernsehkauf ist fast schon eine Sache für Experten geworden. Mit life + s c i e n c e behaltet Ihr den Überblick.
LCD – Flach wie am Computer
Am Computer sind Monitore in LCD-(Liquid Crystal Display) oder TFT-(Thin Film Transistor)Technik längst Standard. Sie bieten ein sehr scharfes Bild bis in die Ecken, das aber in einer hellen Umgebung etwas blass wirken kann. Die Auflösung ist für jeden Bildschirm genau festgelegt. Filme mit davon abweichenden Formaten muss das Gerät umrechnen, was bei günstigen Apparaten nicht immer gute Ergebnisse liefert. Außerdem ziehen schnell bewegte Objekte „Schlieren“ hinter sich her – der Ball könnte also wie ein Komet über den Bildschirm zischen. Die Bildschirmdiagonalen reichen bis knapp über einen Meter, meist liegen sie darunter. Für ein normales Wohnzimmer ist das völlig ausreichend.
Plasma – eine heiße Sache
Soll das Bild unbedingt größer sein, ist ein Plasma-Monitor besser geeignet. Er liefert außerdem ein strahlenderes Bild, das weniger unter Nachzieheffekten leidet. Doch die Brillanz hat ihren Preis: erst bei der Anschaffung und danach im Betrieb. Die Plasma-Geräte haben nämlich einen recht hohen Stromverbrauch. Außerdem produzieren sie viel Wärme, die ein Lüfter wegblasen muss. Das kann ein störendes Hintergrundgeräusch verursachen. Noch unangenehmer ist die Gefahr, dass sich unbewegte Bilder, die lange angezeigt werden, regelrecht „einbrennen“ und danach ständig schemenhaft zu sehen sind. Vor allem bei Konsolespielen am Monitor könnte das passieren. Plasma ist also eine edle Sache für große Formate, die aber richtig gepflegt sein will und ein tiefes Loch in die Haushaltskasse reißt.
Bei LCD-Bildschirmen fällt Licht von hinten durch einen Polarisationsfilter, drei Farbzellen und einen weiteren Polarisationsfilter, der senkrecht zum ersten durchlässig ist. In den Farbzellen befinden sich Flüssigkristalle, die im entspannten Zustand die Schwingungsebene des Lichtes drehen, sodass es durch beide polarisationsfilter treten kann und wir einen hellen Punkt sehen. Winzige Transistoren in den Farbzellen können aber die Kristalle mit einer elektrischen Spannung manipulieren. Die entsprechende Zelle lässt dann weniger Licht durch, und der Punkt wird insgesamt farbig oder dunkel.
In Plasma-Bildschirmen erzeugt jeder Bildpunkt sein eigenes Licht. In kleinen Kammern ist Xenon-Gas eingeschlossen. Über Elektroden wird es gesteuert angeregt und strahlt UV-Licht ab, das an Phosphorschichten in rotes, grünes oder blaues Licht umgewandelt wird. Schutzschichten verhindern, dass das UV-Licht in Richtung Zuschauer austritt.
Beamen ohne Enterprise
Wenn es schon richtig groß sein soll – warum dann nicht wie im Kino einen echten Projektor einsetzen? Weil’s im Kino – anders als im Wohnzimmer – immer dunkel ist und Videobeamer eine Menge Geld kosten. Um ein erkennbares Bild auf die Leinwand zu projizieren, ist nämlich eine extrem helle Lampe notwendig. Die übersteht im Schnitt aber nur rund 2.000 Betriebsstunden, und Ersatz kostet locker um die 400 Euro. Das sieht besser aus, wenn der Beamer Leuchtdioden als Lichtquelle verwendet. Nur sind die ersten Geräte mit dieser Technik leider noch relativ dunkel. Wer mit den Einschränkungen leben kann, erlebt mit einem Beamer (der in England und den USA übrigens schlicht projector heißt) das kinoähnlichste Filmvergnügen. Aber die Auflösung muss hoch sein, denn das Bild wird stark vergrößert.
Doppelt scharf gesendet
Wenn Ihr unser normales Fernsehbild mit seinen 576 Zeilen auf Bildschirmen mit einem Meter Diagonale anschaut, macht das wenig Vergnügen: Die groben Pixel ergeben ein körniges Bild. Das soll besser werden mit der hochauflösenden Fernsehnorm HDTV (High Definition Television). Sie kommt in zwei Varianten daher: Mit 720 Zeilen zu je 1.280 Bildpunkten (720p) oder 1.080 Zeilen à 1.920 Pixel (1080i). Nur Bildschirme, die beide Signaltypen annehmen (nicht anzeigen!) können und die entsprechenden Anschlüsse besitzen, erhalten das „HD ready“-Logo, auf das Ihr beim Kauf unbedingt achten solltet! Die Darstellung erfolgt im Breitbildformat im Seitenverhältnis von 16:9 mit wenigstens 720 Zeilen. Das Logo sichert auch zu, dass der Monitor Filme abspielen kann, die mit dem Kopierschutz HDCP (Highband with Digital Content Protection) verschlüsselt sind. Hollywood will damit seine Filme vor Raubkopierern schützen und drängt DVD-Produzenten wie Fernsehsendeanstalten darauf, Filme bald nur noch verschlüsselt zu übertragen.
Digital auf allen Wegen
Noch kommt das Fernsehen häufig analog ins Haus, doch auch hier drängt sich die Digitaltechnik in den Vordergrund. Als Digital Video Broadcasting (DVB) bringt es das Programm in komprimierter Form, wie sie auf DVDs üblich ist, auf verschiedenen Wegen zu Euch:
- DVB-S über Satellit,
- DVB-C über Kabel,
- DVB-T über Antenne und
- DVB-H für mobile Geräte wie Handys.
Damit ältere Geräte das digitale Signal verstehen, braucht man eine Set-Top-Box, die es in analoge Informationen übersetzt. Der Kabelsalat zieht spätestens damit ins Wohnzimmer ein.
Fazit
So beeindruckend die neuen Techniken auch aussehen – sie kämpfen alle noch mit handfesten Problemen. Wer zu Hause einen funktionstüchtigen Fernseher hat, sollte darum besser abwarten. Nach der WM und erst Recht im nächsten Jahr werden sicherlich ausgereiftere Produkte zu günstigeren Preisen in den Handel kommen. Bis dahin müssen Klinsis Helden ihr Können weiterhin auf der kleinen Röhre unter Beweis stellen.
LCD-Bildschirme | Plasma-Bildschirme | Beamer |
Vorteile | ||
flaches Gerät mit großem Bild | flaches Gerät mit sehr großem Bild | sehr große Bilder möglich |
scharfes, flimmerfreies Bild | sehr helles, scharfes, flimmerfreies Bild | bestes Kinogefühl |
keine Verzerrungen | keine Verzerrungen | gut zu transportieren |
leichte und robuste Konstruktion | großer Betrachtungswinkel (etwa 160°) | großer Betrachtungswinkel |
niedriger Stromverbrauch | mit LED-Technik niedriger Stromverbrauch | |
sehr leise | mit LED-Technik sehr leise | |
Nachteile | ||
teuer | sehr teuer | teuer |
teilweise zu träger Bildaufbau ("Schlieren" bei Bewegungen) | empfindliche, schwere Konstruktion | für Standardlampen hohe Ersatzkosten |
Bild vom Blickwinkel abhängig | bei geringem Abstand pixeliges Bild | geringe Heligkeit |
kein richtiges Schwarz | hoher Stromverbrauch | mit Standardlampe hoher Stromverbrauch |
mittlerer Kontrast und Helligkeit | wird sehr warm, braucht einen Lüfter | mit Standardlampen Geräusche durch Lüfter |
Farben weniger brilliant | starre Bilder können sich "einbrennen" |
Heftnummer: 2006/02
Autor: Fritsche, Dr. Olaf
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