science + tech
Made in Germany
Erfindungen, die die Welt veränderten
Deutschland als „Land der Dichter und Denker“ wird gerne bei Abiturfeiern beschworen. Deutschland ist jedoch ebenso das Land der Forscher und Erfinder, schließlich lebt unsere Wirtschaft von klugen Ideen.
Die Autopioniere Carl Benz und Gottlieb Daimler, der Wegbereiter des Telefons Philipp Reis, Werner von Siemens, der Begründer der Elektrotechnik, der Bakteriologe Robert Koch, der Flieger Otto Lilienthal, Konrad Zuse, der das digitale Zeitalter einläutete – die Liste herausragender schlauer Köpfe ließe sich noch lange fortsetzen. Weil wir dieses Jahr den 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland feiern, widmen wir uns Errungenschaften aus dieser Zeit.
Praktischer Bauhelfer
Kein Handwerker und kein Heimwerker kann auf ihn verzichten: den Dübel. Der Erfinder dieses schlichten Helfers ist Artur Fischer. An Silvester 1919 wurde der Sohn eines Schneiders geboren und lernte Bauschlosser. Nach der Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft gründete er 1948 seine eigene Firma, acht Jahre später erfand er – angeblich unter der Dusche – den Dübel. O.k., wenn man genau sein will: Er verbesserte ihn grundlegend, denn Vorläufer des Dübels gab es schon im Mittelalter. Später dann, zu Fischers Zeit, bestanden Dübel aus einer Hanfstange mit einer Blechhülle – furchtbar unpraktisch. Die größte Verbesserung von Fischer war deshalb das Material: Nylon ist witterungsbeständig, wärmeresistent und dehnbar. Durch den fehlenden Anschlag konnte der Dübel erstmals auch tief ins Loch wandern und war so für alle Lochtiefen verwendbar. Die Seitenzähne machten den Dübel für hartes und weiches Material geeignet, und die zwei abstehenden Sperrzungen verhinderten das Durchdrehen. Ein Geniestreich, der im wahrsten Sinne des Wortes wirklich hält, was er verspricht und den es inzwischen in unzähligen Abwandlungen und Weiterentwicklungen gibt.
Kaum ein anderer Erfinder ist derartig vielseitig und produktiv wie Artur Fischer: Über 1.000 Patente lauten auf seinen Namen. Dazu gehören Fischertechnik und das Synchron-Blitzlichtgerät. Eine seiner jüngeren Erfindungen: kompostierbares Kinderspielzeug aus Kartoffelstärke.
Explosive Sicherheit
Jetzt kommen wir zu einem Gegenstand, der das Autofahren erheblich sicherer gemacht hat, laut Statistik um 30 Prozent für angeschnallte Insassen: der Airbag. Im Gegensatz zum Dübel kann hier kein Einzelner die Ehre der Erfindung in Anspruch nehmen, vielmehr gebührt sie einer ganzen Firma: Mercedes-Benz. Zwar gab es auch beim Kfz-Airbag Vorläufer – doch diese benutzten Pressluft, weshalb die Aufblaszeiten viel zu lange dauerten. 1971 gelang jedoch den schwäbischen Autobauern der Durchbruch: Ausgelöst durch einen elektronischen Crash-Sensor füllte ein kleines Raketentriebwerk den Airbag in wenigen Millisekunden. 1981 kam der „Luftschutz“ erstmals als Sonderausstattung in der Mercedes-Benz-S-Klasse zum Einsatz. Da sich die entstehenden Gase bald als schädlich erwiesen, wurde der Treibstoff durch Tabletten ersetzt, die beim Abbrand ausschließlich Stickstoff erzeugen. In den 1990er-Jahren kamen Neuentwicklungen auf den Markt, die Druckgas und Pyrotechnik kombinierten, inzwischen geht der Trend jedoch eindeutig wieder zurück zu den rein „explosiven“ Lösungen, wobei sich die Leistung durch mehrere Stufen je nach Bedarf anpassen lässt.
Schluss mit Überfluss
Auch ohne es könnt ihr euch den Alltag nicht mehr vorstellen: das MP3-Format, mit dem sich eine Audiodatei um den Faktor Zwölf komprimieren lässt. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir jederzeit unsere gesamte Musiksammlung dabei haben können. Der Trick bei diesem Format: MP3 nutzt die Tatsache, dass wir nicht alles hören, was unser Ohr erreicht. Also kann man einen erheblichen Teil der Toninformationen, die etwa auf eine CD gebrannt sind, auch weglassen: Töne, die wir nicht wahrnehmen, und Schallsignale, die für den Klangeindruck unbedeutend sind. MP3 leitete die digitale Musikrevolution ein und krempelte die gesamte Plattenindustrie um. Erfunden hat es aber nicht die Firma Apple, vielmehr gilt ein deutscher Ingenieur als Vater von MP3: Karlheinz Brandenburg, heute Direktor des im Jahre 2000 gegründeten Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau. Er studierte Elektrotechnik und Mathematik und schuf 1989 mit seiner Promotion „Ein Beitrag zu den Verfahren und der Qualitätsbeurteilung für hochwertige Musikcodierung“ die Grundlage des Kompressionsverfahrens. Damals war ihm bereits klar, dass seine Arbeit wohl nicht in der Bibliothek verstauben würde. Doch als Brandenburg und seine Mitarbeiter versuchten, die neue Technologie auf den Markt zu bringen, wurden sie nicht ernst genommen. Deutsche Firmen zögerten zu lange; erst Apple mit seinem iPod zeigte, wie man mit komprimierter Musik aus dem Internet richtig viel Geld verdienen kann.
Dübel, Airbag, MP3 – nur drei Beispiele für Innovationen made in Germany und für die Technikgeschichte der vergangenen 60 Jahre. Eines ist sicher: Unser Land hat zahlreiche kluge Köpfe hervorgebracht. Und wir brauchen auch in Zukunft Menschen mit innovativen Ideen, Forschungsdrang und Erfindergeist. (uk)
Autor: Ulrich Kilian
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