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Verliebt!

Ein Blick durch die „wissenschaftliche“ Brille

Schmetterlinge im Bauch, schwitzige Hände, Nervosität. Und keine Chance an etwas anderes zu denken als an die oder den Auserwählten.

Verrückt vor Liebe
Wer diese Symptome kennt, der war es schon mal – verliebt. Wobei der Begriff Symptom nur auf den ersten Blick unpassend erscheint. Was in unserem Gehirn passiert, wenn wir uns verlieben, gleicht einem Drogenrausch oder einer Zwangserkrankung. Die Forscherin Donatella Marazziti fand heraus, dass sich die „Betroffenen“ zwar nicht zwanghaft verhalten, also nicht das Bedürfnis verspüren, sich 30-mal am Tag die Hände zu waschen, wie es für manche Zwangspatienten typisch ist, dafür nimmt aber die Art und Weise des Denkens zwanghafte Formen an. Mindestens vier Stunden täglich kreisen die Gedanken um das Objekt der Begierde.
Dass es sich beim Verlieben tatsächlich um einen Rauschzustand handelt, konnte der  Neurobiologe Andreas Bartels mit seinem Experiment untermauern. Er steckte dazu verliebte Personen in einen Kernspintomographen und ließ sie dort Fotos von ihren Angebeteten anschauen. Dabei zeigte sich, dass tatsächlich nur diejenigen Hirnareale aktiv sind, die als Lust- oder Belohnungszentrum bezeichnet werden. Hingegen werden weite Bereiche des Gehirns ausgeschaltet. Vornehmlich die, die für die kritische Beurteilung durch den Menschen nützlich sind, z.B. für das Empfinden von Angst und für Problemlösefertigkeiten.
Die Ursache für diese Erscheinungen sehen Forscher in einer veränderten Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter. Während der Serotonin-Spiegel auf ein krankhaftes Niveau absinkt, steigen der Adrenalin- und der Dopamin-Spiegel so stark an, dass wir wenig Appetit haben, enthemmt sind und Schmerzen kaum spüren.




Der evolutionsbiologische Sinn
Unsere Objektivität kommt uns im Stadium des Verliebens abhanden, wir haben die sprichwörtliche rosarote Brille auf. Das führt dazu, dass wir uns weitestgehend ungeschützt und unkritisch auf fremde Personen einlassen. Und genau dies ist auch der Sinn des Ganzen. Denn die Evolution hat uns mit einer angeborenen Angst vor Fremden ausgestattet. Damit wir aber eine Partnerschaft eingehen können, muss es einen weiteren Mechanismus geben – einen, der so drastisch ist, dass wir die Angst vor einer zunächst fremden Person überwinden. Die „Vernebelungstaktik“ Verliebtsein.
Und da unser Belohnungszentrum involviert ist, werden wir angehalten, dieses Verhalten zu wiederholen. Sämtliche Ereignisse, die diese Areale ansprechen, werden nämlich als positiv und wünschenswert abgespeichert und provozieren daher, ähnlich wie beim Drogenmissbrauch, eine Art Abhängigkeit. Das oft ernüchternde Ende des Rausches: Die Euphorie lässt nach und die Zurechnungsfähigkeit kehrt zurück. Unser Gehirn hat sich an die Veränderungen gewöhnt, das Belohnungszentrum reagiert daher nicht mehr.

In wen wir uns verlieben
Wie kommt es, dass wir uns nur in ganz bestimmte Personen verlieben und uns andere überhaupt nicht ansprechen? Wissenschaftler fanden heraus, dass wir uns bei der Partnerwahl von unserer Nase leiten lassen. Ausschlaggebend ist aber nicht das Parfum des anderen. Entscheidend ist, ob der- oder diejenige genetisch gut zu uns passt. Das lässt sich tatsächlich über den Körpergeruch feststellen, denn der wird wiederum durch unsere MHC-Gene bestimmt. Diese dienen hauptsächlich der Immunabwehr. Als anziehend empfinden wir dann Personen, deren MHC-Gene sich von den unsrigen möglichst stark unterscheiden. Der evolutionäre Zweck: Mit einem solchen Partner können wir Kinder zeugen, die ein besonders effektives Abwehrsystem haben. Auch wenn wir nicht mit jeder Person, in die wir uns verlieben, gleich Kinder zeugen möchten: Dieser Prozess läuft ab und beeinflusst uns unbewusst. Unser Gehirn ist uns also immer eine Nasenlänge voraus …


Die Drahtzieherin
Der Mann, der Verführer. Das ist, so scheint es, nur in James-Bond-Filmen der Fall. Im wirklichen Leben ergreifen meist Frauen die Initiative. Ob ein Mann eine Frau anspricht, hängt nämlich hauptsächlich vom Verhalten der Frau ab. Das bewiesen Debra Walsh und Jay Hewitt in ihrem Experiment, das wie folgt durchgeführt wurde: Sie instruierten eine attraktive Frau, sich in einer Bar entweder „besonders auffordernd“, „auffordernd“ oder „spröde“ zu verhalten. Das eindeutige Resultat: 60 % der Männer, die in besonders auffallender Art und Weise „angebaggert“ wurden, kamen an ihren Tisch und sprachen sie an. Dagegen trauten sich das nur 20 % der Männer, die nur angesehen worden waren. Verhielt sich die Frau spröde, kam keiner.
Die benutzten Flirtsignale - ein Lächeln, das Schrägstellen des Kopfes oder das berühmte Streichen durch das Haar - sind dabei sogar ausschlaggebender als das Aussehen der Frau.

Wie lässt sich die Tatsache erklären, dass scheinbar die Frauen auswählen? Evolutionsbiologen sehen den Grund hierfür in der Fortpflanzung der Menschen. Sich mit dem falschen Partner einzulassen, ist für Frauen nämlich ein sehr viel kostspieligerer Irrtum als für Männer. Während die Frauen eine Schwangerschaft riskieren und vom Mann verlassen werden könnten, ist das Risiko der Männer gering. Zudem ist die Fortpflanzungsfähigkeit der Frauen beschränkt, die der Männer nahezu unbegrenzt. In der Menschheitsgeschichte haben sich also die Frauen am erfolgreichsten fortgepflanzt, die sich ihre Männer sorgfältig ausgesucht haben. Nur diese Frauen schafften es, ihren Nachwuchs mit Hilfe des entsprechenden Mannes großzuziehen. Dass Frauen auch alleine ihre Kinder durchbringen, ist – evolutionsbiologisch betrachtet – erst seit kurzem möglich.

Wenn mehr daraus wird …
Warum wir uns aber dennoch nicht alle drei Monate einen neuen Partner suchen, dafür ist, so vermuten Wissenschaftler, das „Treuehormon“ Oxytocin verantwortlich. Denn es hilft, Nähe aufzubauen und zwei Partner aneinander zu binden. Dabei wirkt es sowohl euphorisierend als auch beruhigend. Ausgeschüttet wird es beim Austausch von Zärtlichkeiten, ganz besonders stark nach sexueller Aktivität. Ebenso wird Oxytocin bei der Geburt und beim Stillen ausgeschüttet und trägt damit wesentlich zur Bildung einer intensiven Mutter-Kind-Beziehung bei. (so)

Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie konnte nachgewiesen werden, dass der Bereich des ventralen Tegmentums bei Verliebten besonders aktiv ist. Diese Hirnregion produziert Dopamine, die das Empfinden und Verhalten der verliebten Person beeinflussen. Aktiviert wird es außerdem durch Kokain.

 

ABI Wissen Biologie
 
Erregungsweiterleitung an einer chemischen Synapse

Adrenalin, Serotonin und Dopamin sind Neurotransmitter

Neurotransmitter sind Stoffe, die an den Kontaktstellen der Nervenzellen, den chemischen Synapsen, für die Weiterleitung der Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten zuständig sind. Dabei bewirkt ein in die präsynaptische Zelle einlaufendes Aktionspotenzial, dass Neurotransmitter in den synaptischen Spalt abgegeben werden. An der nachgeschalteten, postsynaptischen Nervenzelle binden diese Stoffe dann an die entsprechenden Rezeptoren, wodurch wiederum bestimmte Ionenkanäle geöffnet werden und so auch in dieser Zelle ein Aktionspotenzial ausgelöst wird. Durch chemische Synapsen wird sichergestellt, dass Nervenimpulse immer nur in eine Richtung weitergeleitet werden, da sich Vesikel mit den entsprechenden Transmittern nur auf der präsynaptischen Seite des Spaltes befinden, die Rezeptoren nur auf der postsynaptischen Membran.

MHC-Gene
werden auch als Haupthistokompatibilitätskomplex (im Englischen Major Histocompatibility Complex) bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Genen, die für die Immunerkennung, die Gewebeverträglichkeit bei Transplantationen und die immunologische Individualität von großer Bedeutung sind. Die Genprodukte sind körpereigene Antigene auf der Oberfläche jeder Körperzelle, die immunologische Vorgänge regulieren. Beim Menschen sind diese Gene auf dem kurzen Arm von Chromosom 6 lokalisiert. Da es mindestens 20 MHC-Gene gibt mit nicht weniger als 100 verschiedenen Ausprägungen (= Allele), ist es praktisch unmöglich (außer im Falle von eineigen Zwillingen), dass zwei Menschen das gleiche Set an MHC-Genen haben.

Heftnummer: 2007/01
Autor: O'Farrell, Stefanie

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